was lange her ist…

Prolog/1962

Wo ich wohne gibt es viele schöne Häuser. Wir sind in Einem das über und über mit Schieferplatten besetzt ist. Mein Papa hat erzählt die kommen aus Bergwerken wo Männer die rausholen müssen. Ist eine schwere und dreckige Arbeit. Hab meine Mama mal gefragt, wo ich gewohnt hab als ich 3 war. Da hat sie gesagt, dass ich schon in drei anderen Städten gewohnt hab und in noch einer Anderen geboren bin. Mama, Papa und Bruder haben in einem Haus gewohnt das nur aus Holz war. Mama hat das Baracke genannt und da war es zu kalt um ein Baby zu haben. Dann ist sie vorher zu ihrer Mama gefahren wo sie auch herkommt und dann bin ich dem Haus geboren wo jetzt meine Oma wohnt und vorher auch schon gewohnt hat, aber noch nicht meine Oma war. Und jetzt wohne ich hier. Mama und Papa arbeiten für Gott. Sie arbeiten viel für Gott. Sonntags sind immer Gottesdienste und auch Kindergottesdienst. Aber ob die Kinder da dann schon meine Freunde sind weiß ich nicht.

2021 // 1.Kapitel

Ich sollte weggehen, nicht hier bleiben, alles zu vertraut. Die mir wichtigen Dinge in meinem Reiserucksack verstauen, zum Bahnhof gehen und in den nächsten Zug steigen. Vor bald vier Jahren krankheitsbedingt das Arbeitsleben hinter mir gelassen, doch es holt immer wieder auf und mich ein. Nachts, tagsüber, wenn ich durch den Wald spaziere, den ich vor der Krankheit noch in Laufschuhen durchquert habe. Doch das ist ein kleineres Problem als ich angenommen hatte. Man arrangiert sich mit der Krankheit. Ich finde mich mit ihr ab. Sie bringt nicht den Tod, nur den Schmerz. Ein Waldspaziergang. Den Kopf frei bekommen. Es reicht nicht. Eine neue Richtung, ein Weg als Restlebensweg. Suche schon so lange. Die Antwort der Eltern war einfach. Früher. Glauben. Und wenn man es nicht kann? Nicht hinbekommt, allein, durch Beten? Ein Schulheft, Fotoecken, Bilder, Überschriften, eine Locke. Ich würde es mitnehmen. Meine Kindheit. Weggehen. Auf Reisen gehen. Jetzt.

© Copyright Text und Bild Wolfgang Weiland

Eine Antwort auf „was lange her ist…“

  1. „Auf Reisen gehen. Jetzt.“ Das hört sich klasse an. Das Tun ist letztendlich der Weg. Gibt es überhaupt DEN einzig richtigen? Ich glaube, es ist eher wichtig, sich überhaupt auf den Weg zu machen. Was dabei herauskommt, wird sich zeigen, es werden auf alle Fälle eine Menge Erfahrungen sein, die wiederum auf absolut neue Wege verweisen, spannend! Lieben Gruß, Christine

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