Der Autobiograf

Erzählt von sich, wie ’s damals war.
Weiß doch genau, er läuft Gefahr,
die Worte vor den Kopf zu stoßen,
den Menschen, die ihn dann mit bloßen

Händen gerne meucheln würden.
Nähm‘ er nicht auch bisweilen Bürden,
die Jahr um Tag sie mit sich trugen
und Ängste, die um Ecken lugen,

sie würden bloßgestellt.
Allein-
solch Buch,
es sollt‘ geschrieben sein.

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Kannst Du ’s seh’n

Das erste Mal
ganz frei zu steh’n,
zu schauen,
doch nicht los zu geh’n.

Im Wissen,
dass die Welt Dich sieht.
Doch dann,
versteckt, im zweiten Glied.

Musst wieder lernen,
frei zu steh’n.
Magst rufen,
„Vater, kannst Du ’s seh’n“.

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Mutters Mantel

Seit Wochen schon vermisst sie Ihn,
als Witwe mit zwei Kindern.
Wohnte ihr Großer noch Zuhaus,
den Schmerz würd ’s auch nicht lindern.

’s ist kühl schon länger in ihr drin,
jetzt sind es auch die Tage.
Ein warmer Mantel tät jetzt not,
doch liegt ihr fern die Klage.

‚Zuerst die Kinder‘- hat sie jetzt
die Stimme noch im Ohr.
Das weiß sie wohl und schafft es auch,
noch besser als zuvor.

Der dritte Tag, sie nimmt den Mut
zusammen der geblieben,
die ersten Schritte führ’n sie hin –
ein Mantel zum Verlieben.

Doch ist er rot; wenn sie ihn nähm‘,
was wohl die Leute sagen.
In Trauer hat man doch, um sie zu zeigen,
ein Jahr lang schwarz zu tragen.

Wie ’s drinnen aussieht weiß nur sie,
vielleicht würd‘ er ’s verstehen.
Sie zieht ihn an, findet sich schön,
und sieht sich darin gehen.

Zur Kasse hin, das Geld abzähl’n,
ein Lächeln im Gesicht.
Durchs Menschenmeer nach Hause gehn,
wo man sie sieht, ist Licht.

Einmal gewagt, an sich gedacht,
und kann es jetzt kaum glauben.
Sie kommt nach Haus, sieht ihre Kinder,
den Stolz in ihren Augen.

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