Willkommen

Bist du’s der schreibt,
was vielleicht bleibt.
Was wohl nicht bliebe,
wenn’s keiner schriebe.

Bist du’s der malt,
was vielleicht strahlt.
Was wohl nicht strahlte,
wenn’s keiner malte.

Bist du’s der sagt,
vielleicht gewagt,
was niemand wagte,
wenn’s keiner sagte.

Aus dem Etui in meine Hand,
wir beide jetzt –
ich bin gespannt.

© copyright all lyrics wolfgang weiland

Willkommen (01)

Zur Lebezeit

Wir wissen heut‘ von Dichtern,
die dereinst hier gelebt.
Ich würd‘ gern einen fragen,
ob Zweifel er gehegt.

War ’s so, wie heut‘, dass Gestriges
alsbald wurd‘ abgetan.
Leichte Feder, die einst berührt,
ward federschwer vor Gram.

Der Poet kann wohl zur Lebezeit
Bewegtes nur erahnen
und hoffen, wenn die Feder fällt,
die Welt kennt seinen Namen.

© copyright all lyrics wolfgang weiland

Willkommen (02)

Das kleine Leben

Hatte geträumt, ein Leben zöge vorbei. Ein pralles, volles, ganzes Leben. Kein Halbes. So ein Leben kann ja nicht vorbeiziehen, wenn ihm eine Hälfte fehlt. Er rief nach ihm, es möge doch anhalten, und ob es sich vorstellen könnte, Seines zu sein. Es hielt kurz inne, überlegte, und kam zu dem Schluss, dass es eigentlich Jedermanns Leben war. So ein Leben ist doch, wenn es neu ist, eine zarte Hülle ohne Inhalt. Vergleichbar einer Papiertüte, die erst durch das hineingeben frischen Backwerks zu einer Brötchentüte wird und man darauf zu achten hat, nicht mehr als die für Sie erträgliche Menge einzubringen. Ja, es gibt kleine und große Leben. Ein kleines Leben, dass mit wenigen Geschehnissen nur zur Hälfte gefüllt ist, kann sich bei manch weiterer, schönen Begebenheit für eine kurze Zeit verschließen, um die Wärme erst in sich zu spüren und sie dann, langsam, nach Außen weitergeben zu können. Ein großes Leben dagegen neigt dazu, so viel an Ereignissen und Eindrücken aufzunehmen, dass es übervoll wird und nicht in der Lage ist, für sich Wärme zu empfinden, geschweige denn, Sie weitergeben zu können. Ja, ich denke, ich könnte ein kleines Leben für Dich sein. Noch während er den Worten des Lebens lauschte, war ihm klar geworden, dass er ein eben-solches wollte. Eines, dass Wärme weitergeben könnte. Mit beiden Händen nahm er es behutsam auf und mit in den Tag.

© copyright all images wolfgang weiland 

Willkommen (03)

Was ist der Mensch

Was ist der Mensch,
ein Schiff zu bauen inmitten seines Landes,
dann selbst zu fluten, den Fluss zu stauen,
ist jenseits des Verstandes.

Was ist der Mensch,
Bäume zu roden, zu unterhöhlen Städte,
auf dass ZeitGewinne fließen,
für ein paar Leute – fette.

Was ist der Mensch,
Gerät zu schmieden zum Führen eines Krieges.
Dabei ist klar, es gab noch nie,
die kleinste Spur des Sieges.

Was ist der Mensch,
die Saat zu schützen auf ganzer Völker Kosten.
Die Biene wird geopfert –
Sie schachern um Geld und Posten.

Was ist der Mensch,
doch eigentlich nur Kreatur von Vielen.
Sie ist dabei und sputet sich –
hier alles zu verspielen.

© copyright all images wolfgang weiland 

Willkommen (04)

Drei Meter

Drei Meter bloß,
doch ist der Grund
unendlich weit.

Kleiner Junge, Augen groß,
erstickter Mund,
Vielstimmgeleit.

Steigt herab, lässt Leiter los,
geprügelt‘ Hund,
Vergangenheit.

© copyright all images wolfgang weiland