Tagwerkpendler

Landschaft in Streifen
hinter Scheiben verborgen,
schwebend im Gleise
in den grauneuen Morgen.

Hinstrebend zum Ziele,
das Gleis weist die Richtung,
Blick geht nach draußen –
ein Reh auf der Lichtung.

Durch Bäume und Buschwerk,
ganz kurz, ein Moment,
der Schnelles von Ruh‘
und Verweilen trennt.

Innehalt jetzt,
geseh’nes gibt Ruh‘,
die Gleise sie tragen
auf’s Tagwerk jetzt zu.

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Der Tränenbewahrer

Zuviel der Tränen,
grundlos geweint.
Sollt‘ nicht vergeblich sein,

ist doch ihr Freund.
Möcht‘ sie bewahren,
füllt den Krug bis zum Rand.

Gibt, wenn Deine versiegen,
ohne Taler und Pfand.

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Zur Ruh‘

Er sieht in die Nacht,
Gedanken zieh’n los.
Einmal noch Kind sein,
behütet im Schoß.

Zur Ruh‘ sanft gestrichen,
den Rücken hinab.
Sorglos dann sagen,
wie lieb er Sie hat.

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Herbstwind

Herbstwind, nimmst Dir die Gedanken,
die heut‘ trüben mir den Sinn.
Lässt statt Ihrer Träume ranken,
in denen noch mal Kind ich bin.

Einmal noch bei Oma vespern.
Sprudel, Fleischwurst, Senf und Brot.
Manchmal wünsch‘ ich mich nach gestern.
Manchmal, wenn mein Herz in Not.

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Der Worte Gesicht

Gib den Worten Augen,
Ohren, Nase, Mund.
Könnten mir dann taugen,
als noch schön’re Kund.

Könnt‘ schaffen mir ein Bildnis,
der Worte Seel‘ darein.
Um so in herbstlich‘ Wildnis,
dir herzensnah zu sein.

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Glücksträne

Die Träne vor Glück
traf die Träne der Trauer.
Zwischen den Lachfältchen
lag sie auf der Lauer.

Wie ’s denn so ist,
wollte sie fragen,
zu helfen beim Trösten,
zu befeuchten die Klagen.

Viel schöner müsst’s sein,
so langsam zu rinnen,
zu lindern die Schmerzen
der Seelen tief drinnen.

Die Träne der Trauer
nahm die Träne vor Glück
bei der Hand,
sie rannen ein Stück
gemeinsam die Wange hinan –

So kam es, dass trotz Trauer,
ein Lächeln gelang.

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Ein Schritt

Ein Schritt zu mir, drei Schritte entfernt,
als hätte ich jetzt mein Fühlen verlernt.
Die Stunden sind trübe, die Tage im Nebel,
das Fleisch ist geschwächt,
der Tag setzt die Segel.

Erst nur am Abend, dann hindurch in den Tag,
um zu seh’n, ob manch‘ Stund‘ ein Erhellen vermag.
Etwas Licht ab dem Morgen der Nächte vertreibt,
ein Rest Wärme des Nestes
gibt dem Tag das Geleit.

Ein Schritt nur zu gehen, doch Schritte sind schwer,
erst recht dieser Kleine, der Tränen verklärt.
Ein Schritt gibt die Richtung, ein Weg gibt das Ziel,
ich werde ihn gehen,
erwart‘ ich zuviel?

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Drei Meter

Drei Meter bloß,
doch ist der Grund
unendlich weit.

Kleiner Junge, Augen groß,
erstickter Mund,
Vielstimmgeleit.

Steigt herab, lässt Leiter los,
geprügelt‘ Hund,
Vergangenheit.

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