Herbstfeucht[01]

Fast lautlos
geht es heut‘ dahin,
dem neblig‘ Laub steht nicht der Sinn,

die Still‘ zu stör’n die mir vergönnt.
Vielleicht würd’s rascheln,
wenn es könnt‘.

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Der Tränenbewahrer

Zuviel der Tränen,
grundlos geweint.
Sollt‘ nicht vergeblich sein,

ist doch ihr Freund.
Möcht‘ sie bewahren,
füllt den Krug bis zum Rand.

Gibt, wenn Deine versiegen,
ohne Taler und Pfand.

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Zur Ruh‘

Er sieht in die Nacht,
Gedanken zieh’n los.
Einmal noch Kind sein,
behütet im Schoß.

Zur Ruh‘ sanft gestrichen,
den Rücken hinab.
Sorglos dann sagen,
wie lieb er Sie hat.

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Glücksträne

Die Träne vor Glück
traf die Träne der Trauer.
Zwischen den Lachfältchen
lag sie auf der Lauer.

Wie ’s denn so ist,
wollte sie fragen,
zu helfen beim Trösten,
zu befeuchten die Klagen.

Viel schöner müsst’s sein,
so langsam zu rinnen,
zu lindern die Schmerzen
der Seelen tief drinnen.

Die Träne der Trauer
nahm die Träne vor Glück
bei der Hand,
sie rannen ein Stück
gemeinsam die Wange hinan –

So kam es, dass trotz Trauer,
ein Lächeln gelang.

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Der Autobiograf

Erzählt von sich, wie ’s damals war.
Weiß doch genau, er läuft Gefahr,
die Worte vor den Kopf zu stoßen,
den Menschen, die ihn dann mit bloßen

Händen gerne meucheln würden.
Nähm‘ er nicht auch bisweilen Bürden,
die Jahr um Tag sie mit sich trugen
und Ängste, die um Ecken lugen,

sie würden bloßgestellt.
Allein-
solch Buch,
es sollt‘ geschrieben sein.

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Erwartung

Einst eine Erwartung war
wohl etwas groß –
Ihr wurde klar,

müsst‘ schrumpfen
auf gering’res Maß.
Ein leichtes Spiel-

doch Sie vergaß,
Enttäuschung würd‘
auch kleiner sein,

und wie zur Strafe –
ließ Sie’s sein.

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…während sie schliefen

Mein sind die
getragenen Weisen,
sind dort zwei Töne,
wähl‘ ich den Leisen.

Mein sind die
verborgenen Zeilen,
sind sie gefunden,
kann ich verweilen.

Mein sind die
durchwateten Flüsse,
wär‘ ich geschwommen,
fühlte ich Küsse.

Mein waren
schwindelnde Tiefen,
konnt‘ sie verlassen,
während sie schliefen.

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Überzieher

Überzieher aus feinem Garn
über den Schultern.
’s ist noch warm.

Oktoberlanger Schatten weit
vorausgeeilt.
Beginn der Zeit

die mir im Jahr
so kostbar
ist.

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Geh’n nie zu Fuß

Ob der vielen Droschken staunend,
den Kopfe schüttelnd am Fahrwegrand.
Einfält’ger Mann, zum Andern raunend,
‚geh’n nie zu Fuß‘, bleibt unerkannt.

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