Du weinst

Ahne, Du weinst jetzt.
Bin nicht bei Dir.
Deine Tränen zu trocknen,
was gäb‘ ich dafür.

Ist einfach zu sagen,
ich weiß um Dein Leid.
Die Wunde zur Narbe,
nichts heilt die Zeit.

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Liebeleer

Ihr Polaroid,
zerknickt am Gesäß.
Im Portmonee,
Erinn’rungsgefäß.

Ein Blick nur und ’s ist,
als säß‘ sie noch heut‘,
zu Haus‘ in der Küche,
im Liebabschlusskleid.

Jedes Wort ausgewrungen,
bis liebeleer.
Vor Jahrzenhnten verklungen,
noch immer…
so sehr…

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Das Mädchen

Gibt dort ein Mädchen,
zum Greifen fern.
Fast vor die Füße
gefallener Stern.

Half ihm zu stehen
auf einem Bein.
Hatte verloren,
auf ’s Mal allein.

Freut sich zu sehen,
sie leuchtet ihm zu.
Ist wieder dort oben,
jetzt findet er Ruh‘.

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Vereint

Ein Selbstgespräch, kein Wort zu viel,
zu schmerzlich wär ’s zu wissen,
’s gibt keinen Sieger im alten Spiel,
vereint sich zu vermissen.

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Ein Reim

Ein Reim, bedacht ersonnen,
wollt‘ heute bei mir sein.
Das falsche Ohr erklommen,
jetzt steh‘ ich hier allein.

Ach würd‘ das Ohr doch merken,
’s war nicht der Adressat.
Schickt mir ihn, mich zu stärken,
an einem schwachen Tag.

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Menschen[01]

Die große Dame jedenfalls,
Hochflorteppich bis zum Hals,
Gold behangen an Brust und Arm,
des Gatten Erbe hält sie warm.

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wenn auch nur

Dich berührt,
wenn auch nur.
Spurlos verlegen,
Wortsilbenflur.

Einz’ges Mal,
die Wange an.
Nächtens geträumt,
niemals getan.

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Schulnot/durft

Sind zivilisiert, haben Kultur.
Es ficht sie nicht an,
Kind auf dem Flur
einer Schule, das gerade
die Hose sich nässt.

Dividenden und Boni,
ich bin ’s,
der sie lässt.

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Unter Schwingen

Ein Kind unter Schwingen,
Wind fuhr mir durch ’s Haar.
Ich weiß noch, er trug mich,
weit fort die Gefahr.

Auch heute noch, manch’s Mal,
wenn die Angst Seel‘ verschlingt,
warmweich an der Wange,
dann hinauf, wieder Kind.

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Tags im Wald

Wär‘ mir lieb, den Wolf begleiten,
wenn er tags durch Wälder streift.
Mit ihm seiner Wege schreiten,
ob als Freund er mich begreift?

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Der Hund

Der Hund seines Herrn,
ich seh‘ es ihm an.
Er mag ihn wohl gern,
ein fröhlich Gespann.

Es scheint gegenseitig,
sein Herr hört ihn wohl.
Ein Bellen genügt,
schon kommt er,
manchmohl.

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Das Buch

Sie sitzt am Teich auf einer Bank,
auch heut‘ ein Buch, doch dieses sank
vor Stunden schon ihr in den Schoß.
Ganz leise nur , „Lass mich nicht los“.

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nur ein Limerick…

Ein Mann, der die Lyrik verstand,
nahm ’s Gedichtschreiberherz in die Hand,
fragte Menschen, die ’s wissen,
‚wie Wort und Prosa sich küssen,‘
waren freundlich, doch zugleich ignorant.

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Nur gestreift

Verwitterte Bank,
vier Lettern darauf,
bedeuten nichts,
doch ein Sehnen kommt auf.

Ein Leben gestreift,
auf ein Wort, und gefragt,
was es ist, dass es geißelt,
gar peinigt und plagt.

Das Leben zog weiter,
sein Schmerz ungetrübt,
ich wünsch‘ mir noch heut‘,
dass es acht auf sich gibt.

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Haiku[09]

Niesel, sanft feuchtet
er meinen Himmel zur Nacht.
zu leis‘, für den Traum.

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Fürchte mich

Fürchte mich, wenn Menschen drängen.
Weich‘ dort aus, wo Leben glückt.
Fürchte mich vor Grobgesängen,
trunken in die Nacht geschickt.

War noch Junge, Gedanken kreisen,
Hamburgs Tage, zur Schule geh’n.
Jeden Morgen gefleht, den leisen,
Zauberspruch, ‚kann nichts gescheh’n‘.

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