Kannst Du ’s seh’n

Das erste Mal
ganz frei zu steh’n,
zu schauen,
doch nicht los zu geh’n.

Im Wissen,
dass die Welt Dich sieht.
Doch dann,
versteckt, im zweiten Glied.

Musst wieder lernen,
frei zu steh’n.
Magst rufen,
„Vater, kannst Du ’s seh’n“.

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Politik

Wär‘ Politik nur Ehrenamt,
wie möchte das wohl sein.
Gar unbezahlter Sachverstand,
die Blender packten ein.

Redenschreiber bräucht‘ man nicht,
kein Ferienhaus im Schilf.
Minister, die kein‘ Sorg‘ je ficht,
uns bleibt wohl nur –
‚Herr, hilf‘.

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An die Enkel

Großväter werden älter
in diesen Tagen.
War noch zu jung,
den Meinen zu fragen.

Ein Onkel hieß Adolf –
kommt mir jetzt in den Sinn.
So hießen doch viele,
für mich war’s nicht schlimm.

Ging in mein Zimmer,
hörte den Beat.
Mach doch mal leiser,
die Negermusik.

Bin mit mir zufrieden,
jetzt, kurz vor dem Schluss.
Sag‘ ja heut‘ Schoko-
nicht Negerkuss.

Großväter werden älter
in diesen Tagen.
Enkel fragen eher
in diesen Tagen.

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Schwebende Feen

Auf Pferdes Rücken,
sie fliegen dahin.
Hör‘ ihr Entzücken,
bleibt mir im Sinn.

Schwebende Feen,
Erinnerung leis‘.
Ein Wiedersehen,
am Seil, im Kreis.

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Sehnsucht

Weißt einen Namen,
doch kennst sie nicht.
Gesäter Samen,
hat kein Gesicht.

Wächst ewig während,
gedeiht und verdirbt.
Reste auskehrend,
sie vor dir stirbt.

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Das kleine Graue

Das kleine Graue, das bin ich.
Bin stets bei ihm, und eigentlich,
ein Tag‘buch das er einst versäumt‘
zu schreiben, sitzt nun hier und träumt,

zurück sich in die Kinderzeit.
Soweit zurück, Gelegenheit,
sich zu erinnern, auszuschmücken
was nicht schön war, manche Lücken,

die aufgetan sich mit den Jahren,
vielleicht zu schließen um im Klaren
sich sein zu können ob das Leben – so gelebt –
verdient hat, dass er danach strebt,

es festzuhalten, hinzuschreiben,
auf meine Seiten, wach zu bleiben,
den Traum erzählen, mitzuteilen,
was er geseh‘n hat, zu verweilen,

den Stift dicht über dem Papier –

bin nur das kleine Graue hier…

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Oberholz

Unterholz war auch
einst oben.
Laub und Äste,
Eicheln auch.

Von Umständen hinab
gezogen,
zu wärmen jetzt
der Erde Bauch.

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Nur eine Tasse…

Du öffnest das Porzellanbehältnis,
verweilst kurz, nimmst Maß, tauchst
ein und während der Duft der um die
besten Plätze buhlenden Bohnen die

Küche erfüllt, stellst du den Kessel
auf den Herd, füllst die Mühle um in
kreisenden Bewegungen das Werk zu
vollenden und das Mahlgut in den

vorgewärmten, mit einer Papiertüte
präparierten Filter zu geben, mit
heißem Wasser zu überbrühen,
das schlussendlich von der

angewärmten Tasse
aufgefangen
wird.

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Zur Nacht

Bist leise Nacht,
mir ist nicht bang,
der laute Tag entschwindet.

Du hältst mich sacht,
im Arm, bis dann,
im Schlaf,
mein Traum mich findet.

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