Tagwerkpendler

Landschaft in Streifen
hinter Scheiben verborgen,
schwebend im Gleise
in den grauneuen Morgen.

Hinstrebend zum Ziele,
das Gleis weist die Richtung,
Blick geht nach draußen –
ein Reh auf der Lichtung.

Durch Bäume und Buschwerk,
ganz kurz, ein Moment,
der Schnelles von Ruh‘
und Verweilen trennt.

Innehalt jetzt,
geseh’nes gibt Ruh‘,
die Gleise sie tragen
auf’s Tagwerk jetzt zu.

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Herbstfeucht[01]

Fast lautlos
geht es heut‘ dahin,
dem neblig‘ Laub steht nicht der Sinn,

die Still‘ zu stör’n die mir vergönnt.
Vielleicht würd’s rascheln,
wenn es könnt‘.

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Der Tränenbewahrer

Zuviel der Tränen,
grundlos geweint.
Sollt‘ nicht vergeblich sein,

ist doch ihr Freund.
Möcht‘ sie bewahren,
füllt den Krug bis zum Rand.

Gibt, wenn Deine versiegen,
ohne Taler und Pfand.

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Zur Ruh‘

Er sieht in die Nacht,
Gedanken zieh’n los.
Einmal noch Kind sein,
behütet im Schoß.

Zur Ruh‘ sanft gestrichen,
den Rücken hinab.
Sorglos dann sagen,
wie lieb er Sie hat.

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Herbstwind

Herbstwind, nimmst Dir die Gedanken,
die heut‘ trüben mir den Sinn.
Lässt statt Ihrer Träume ranken,
in denen noch mal Kind ich bin.

Einmal noch bei Oma vespern.
Sprudel, Fleischwurst, Senf und Brot.
Manchmal wünsch‘ ich mich nach gestern.
Manchmal, wenn mein Herz in Not.

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Der Worte Gesicht

Gib den Worten Augen,
Ohren, Nase, Mund.
Könnten mir dann taugen,
als noch schön’re Kund.

Könnt‘ schaffen mir ein Bildnis,
der Worte Seel‘ darein.
Um so in herbstlich‘ Wildnis,
dir herzensnah zu sein.

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Glücksträne

Die Träne vor Glück
traf die Träne der Trauer.
Zwischen den Lachfältchen
lag sie auf der Lauer.

Wie ’s denn so ist,
wollte sie fragen,
zu helfen beim Trösten,
zu befeuchten die Klagen.

Viel schöner müsst’s sein,
so langsam zu rinnen,
zu lindern die Schmerzen
der Seelen tief drinnen.

Die Träne der Trauer
nahm die Träne vor Glück
bei der Hand,
sie rannen ein Stück
gemeinsam die Wange hinan –

So kam es, dass trotz Trauer,
ein Lächeln gelang.

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2te Heimat

Bist zweite Heimat,
wie man sagt,
wenn man ist zugezogen.

Die erste Heimat,
nie gehabt,
wurd‘ wohl darum betrogen.

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Der Autobiograf

Erzählt von sich, wie ’s damals war.
Weiß doch genau, er läuft Gefahr,
die Worte vor den Kopf zu stoßen,
den Menschen, die ihn dann mit bloßen

Händen gerne meucheln würden.
Nähm‘ er nicht auch bisweilen Bürden,
die Jahr um Tag sie mit sich trugen
und Ängste, die um Ecken lugen,

sie würden bloßgestellt.
Allein-
solch Buch,
es sollt‘ geschrieben sein.

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