Der Berührungssammler

Ja. Das war er. Ein Mensch, der Berührungen sammelte. Erst spät hatte er diese Leidenschaft entdeckt. Das Berührungssammeln. Den Vater musste er auf den Mund küssen und wenn er irgendwo nicht hingehen, irgendetwas nicht machen wollte, wurde er am Genick genommen und dorthin geschoben. Viele neue Klassenräume. An andere frühe Berührungen konnte er sich nicht erinnern.

Wo war der Anfang. Vielleicht als ein Mädchen zum ersten Mal seine Hand nahm. Die erste Berührung die nicht von ihm ausging. Die erste Berührung die sich aufzuheben lohnte, die der Grundstein seiner Sammlung werden sollte. Doch sie ist nicht groß geworden. Er mochte ja nur solche Berührungen aufnehmen die ihm von Anderen zuteil wurden, für die er scheinbar nichts konnte, die er sich nicht erkaufen musste. Und doch schlichen sich auch solche Berührungen ein. Etwa die der Physiotherapeutin, die er noch lange auf dem Rücken spürte. Als ich ihn traf, schien es so, als gäbe es noch viele Jahre, als bliebe ihm noch viel Zeit sich Berührungen zu erhoffen. Beim Abschied legte ich ihm die Hand auf die Schulter.

© copyright all lyrics wolfgang weiland

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