Kriegmacher

Früh,
schon als Kind,
gesagt bekommen,
dass Gott alle Menschen
trägt.

Egal,
ob gut oder böse.

Hab‘ mir vorgestellt,
auf einem Arm ich,
auf dem Anderen ein
Kriegmacher.

Warum…

Dann braucht der doch
nie aufzuhören…

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Kleine Lüge

Kleine Lüge ließ sich speien,
aus dem Munde, durch die Tür.
Kleine Lüge konnt’ gedeihen,
auf dem Wellenkamm zu mir.

Kleine Lüge wurd’ noch größer,
ließ mich leiden wie ein Tier.
Kleine Lüge wollte schreien –
wollt’ ich nicht, kann nichts dafür.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Erinnern

Erinnern
meint,
sich kümmern,
um gelebte Tage,
zu stellen in Frage,
manch‘ gegangenen Weg.

Erinnern
meint,
verschlimmern,
dieses sanftschlimme Beben,
ein nochmal zu Erleben,
manch‘ vergangenen Schmerz.

Erinnern
meint,
ein Flimmern,
wenn geliebte Stunden
drehen ihre Runden,
im leichtschweren Herz.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Regen[02]

Wind kommt auf,
die Wolken üben
in der Höh‘ den
Schulterschluss.

Beschirmter Bub,
um Pfütze kreisend,
wartet auf den
Regenguss.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Wir waren Wir

Seichte Furt,
g’rad‘ knöcheltief.
Ich ging hindurch,
obschon ich schlief.

Sah dich dort drüben,
wollt‘ hin zu dir.
Hast nicht gerufen,
wir waren wir.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Herbstfeucht[02]

Der letzte Nebel ist verflogen,
Sturmgewölk ist aufgezogen.
Die Bäume in verängstigt Pose,
der Herbst macht grad
auf dicke Hose-

und trotzdem ist mir kalt…

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Das arme Wort

Das Wort wiegt schwer,
hat gar Gewicht.
grad‘ erst gesagt,
steht ’s schon im Licht.

Es ist wohl Hoffnung,
Trost, schlaue Kund,
doch ’s ist nichts wert,
kam aus armem Mund.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Kleine Sehnsucht

Kleine Sehnsucht,
einst großes Fehlen.
Nur einmal versucht,
davon sich zu stehlen.

Wurd‘ fest gehalten,
blieb, wuchs und gedieh.
Jetzt, da sie groß ist,
besiegst du sie nie.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Der Tränenbewahrer

Zuviel der Tränen,
grundlos geweint.
Sollt‘ nicht vergeblich sein,

ist doch ihr Freund.
Möcht‘ sie bewahren,
füllt den Krug bis zum Rand.

Gibt, wenn Deine versiegen,
ohne Taler und Pfand.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Zur Ruh‘

Er sieht in die Nacht,
Gedanken zieh’n los.
Einmal noch Kind sein,
behütet im Schoß.

Zur Ruh‘ sanft gestrichen,
den Rücken hinab.
Sorglos dann sagen,
wie lieb er Sie hat.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Herbstwind

Herbstwind, nimmst Dir die Gedanken,
die heut‘ trüben mir den Sinn.
Lässt statt Ihrer Träume ranken,
in denen noch mal Kind ich bin.

Einmal noch bei Oma vespern.
Sprudel, Fleischwurst, Senf und Brot.
Manchmal wünsch‘ ich mich nach gestern.
Manchmal, wenn mein Herz in Not.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Der Worte Gesicht

Gib den Worten Augen,
Ohren, Nase, Mund.
Könnten mir dann taugen,
als noch schön’re Kund.

Könnt‘ schaffen mir ein Bildnis,
der Worte Seel‘ darein.
Um so in herbstlich‘ Wildnis,
dir herzensnah zu sein.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Der Autobiograf

Erzählt von sich, wie ’s damals war.
Weiß doch genau, er läuft Gefahr,
die Worte vor den Kopf zu stoßen,
den Menschen, die ihn dann mit bloßen

Händen gerne meucheln würden.
Nähm‘ er nicht auch bisweilen Bürden,
die Jahr um Tag sie mit sich trugen
und Ängste, die um Ecken lugen,

sie würden bloßgestellt.
Allein-
solch Buch,
es sollt‘ geschrieben sein.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Erwartung

Einst eine Erwartung war
wohl etwas groß –
Ihr wurde klar,

müsst‘ schrumpfen
auf gering’res Maß.
Ein leichtes Spiel-

doch Sie vergaß,
Enttäuschung würd‘
auch kleiner sein,

und wie zur Strafe –
ließ Sie’s sein.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Überzieher

Überzieher aus feinem Garn
über den Schultern.
’s ist noch warm.

Oktoberlanger Schatten weit
vorausgeeilt.
Beginn der Zeit

die mir im Jahr
so kostbar
ist.

© Copyright Text Wolfgang Weiland