Winter[06]

Gehalten hab‘ ich viel zu lang,
auch jetzet wieder, mir war bang,
beim Blick nach unten, konnt‘ nicht los,
geklammert gar, die Kält‘ wird groß.

Geblinzelt feucht, ist wohl der Schnee,
auch dieses Mal tut es noch weh,
ins Rund geschaut, ich bin ja nur
das letzte Blatt auf hoher Flur.

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war nur…

War nur
War nie
War Vater ungelernt
War nur
War nie
War weit entfernt
War nur
War nie
War dunkel hell
War nur
War nie
War schattig grell
War nur
War nie
Zu keiner Zeit
War nur
War nie
Fürs sein bereit
War nur
War nie
Wird sein
Vielleicht

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Ein Gesicht

Ein Gesicht,
nicht wie das Eine,
das mit Abscheu
auf Einschränkung zeigt.

Ein Gesicht,
nicht wie das Seine,
das vor rechtem
Gut sich verneigt.

Ein Gesicht,
so wie das Meine,
das sein Kinn hebt,
und doch ängstlich schweigt?

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Glückseligkeit

Was gäb‘ ich für einen Moment,
in dem Seele und Sehnsucht getrennt.
Wär‘ einmal kurz frei,
ich dächt‘ mir dabei,
dass dies man Glückseligkeit nennt.

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Regen[03]

Vereinzelter Tropfen,
der Arme, allein.
Ans Fenster zu klopfen,
gar schön könnt‘ es sein.

Ruft Windböe zu Hilfe,
wird getragen zum Licht.
Ein Menschlein von Drinnen,
schaut ihm ins Gesicht.

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Tanka[04]

Die Macht, dem Menschen
greifnah, lässt Ihn zu einem
Ansichselbstdenker
werden, der jene, welche
Fremdscham überkommt, verlacht.

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Lesung

Gelesen, gar aufgeführt,
alle Sinne, angerührt.
Dem Zauber erlegen,
wunderwarm, schöne Stimm‘,
stille Poetin,
dir geb‘ ich mich hin.

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Meiner Seel‘

Ich denke Gedanken,
aus der Seele mir ranken,
Gefühle die and’re gefühlt.

Anteil und Empfinden,
meinem Herz sich entwinden,
zu früheren Leibern gespült.

So mag schon geles’nes,
doch sein mein gewes’nes,
meine Seel‘ hat auf Deine gezielt.

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Manch‘ Blick

Manch Blick kann Ruhe schaffen.
Manch Blick möcht‘ helfend gaffen.
Manch Blick lässt sich erwidern.
Manch Blick verkommt zum Biedern.

Manch Blick vermag zu lachen.
Manch Blick gar Freud‘ zu machen.
Manch Blick von Hass getrieben.
Manch Blick erzählt vom Lieben.

Manch Blick getrübt von Trauer.
Manch Blick erricht‘ die Mauer.
Manch Blick wend’t sich nach innen,
zu seh’n was recht tief drinnen,
in einer Seele ruht.

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Ein Gedicht

Zuerst nur ein Wort.
Bald sind es mehr,
schon eine Zeile,
doch sinnesleer.

Gern eine Botschaft,
auch traurigschwer.
Einmal die Insel
im Lebensmeer.

Ein leiser Aufschrei.
Ein stumpfer Speer –
einmal zu haben,
der ander’n Gehör.

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Kannst Du ’s seh’n

Das erste Mal
ganz frei zu steh’n,
zu schauen,
doch nicht los zu geh’n.

Im Wissen,
dass die Welt Dich sieht.
Doch dann,
versteckt, im zweiten Glied.

Musst wieder lernen,
frei zu steh’n.
Magst rufen,
„Vater, kannst Du ’s seh’n“.

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Nachtausklang

Neuer Morgen begrüßt dich leis‘,
Mond verlässt gegeb’nen Kreis.
Bettes Wärme weicht – ’s ist kühl,

Hier am Fenster – ein Gefühl.
Über Wangen rinnen sacht,
die letzten Tränen der Nacht.

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Baumgefühl

Wurde gefragt,
geht ’s Dir nicht gut?
Antwortete,
zu dick mein Blut.

Hab‘ Durst,
mir sagt mein Baumgefühl,
für Euch,
ist Klima, Spaß und Spiel.

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Sein Mädchen

Dies Bild, gebannt auf Zelluloid,
ist alles, was geblieben.
Sein Mädchen, schaut, wie es sich freut,
wird es auf ewig lieben.

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Wenn alles gesagt ist…

Schwarzweißfotografie

Wenn alles gesagt ist,
der And’re besiegt,
von endlosen Worten
keine Hülse mehr fliegt,

die Tränen den Rücken
des Liebsten nur seh’n –
Die Scham frisst uns auf –
wir ließen’s gescheh’n.

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