Erwartung

Einst eine Erwartung war
wohl etwas groß –
Ihr wurde klar,

müsst‘ schrumpfen
auf gering’res Maß.
Ein leichtes Spiel-

doch Sie vergaß,
Enttäuschung würd‘
auch kleiner sein,

und wie zur Strafe –
ließ Sie’s sein.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Überzieher

Überzieher aus feinem Garn
über den Schultern.
’s ist noch warm.

Oktoberlanger Schatten weit
vorausgeeilt.
Beginn der Zeit

die mir im Jahr
so kostbar
ist.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Geh’n nie zu Fuß

Ob der vielen Droschken staunend,
den Kopfe schüttelnd am Fahrwegrand.
Einfält’ger Mann, zum Andern raunend,
‚geh’n nie zu Fuß‘, bleibt unerkannt.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Nebel[01]

Erahnt das Ufer,
mehr als er ’s sieht.
Ruht neblig der See,
weiß wie ihm geschieht,

alsbald eine Hand
nach der Seinigen greift.
ZweisamkeitsMorgen,
von Schwaden umstreift.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Hab’ Dich

Hab’ Dich geträumt,
hab’ Dich beschrieben,

Hab’ Dich versäumt,
Hab’ Dich vertrieben.

Nicht bloßer Freund –
wollt’ dich doch lieben…

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Zwei Wesen

Geh’n ein Stück
zusammen, er
und ich, als wenn ’s
so einfach wär‘.

2 Wesen auf
dem gleichen Weg.
Lasst uns doch,
es wird zu spät.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Regen[01]

Kopfsteinpflaster liegt im Glanz,
pfützübersät,
der Regen kann ’s

leuchten lassen, gar hell erstrahlen –
wär ’s wie wir,
würd ’s damit prahlen.

 

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Die kleine Welle

Aufgetürmt
zu schaumig‘ Größe,
führst es an,
das tosend‘ Heer.

Voller Stolz,
gibst keine Blöße,
trotzt in Fisches Teich
dem Meer.

 

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Tagtraumelixier

Fühlt sich in die Note,
verschlingt ihren Klang,
mal freudiger Bote,
mal Wehmutsgesang.

Musik, seine Größe,
Tagtraumelixier.
Vergessen die Blöße,
entschwindend vom Hier.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Fast wie ein Fluch

Geschrieb’ne Zeilen,
wie weggebrannt.
Wollt‘ verweilen,
vorausgerannt.

Muss hinterher,
ist auf der Such‘.
Seele wiegt schwer,
fast wie ein Fluch.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Du warst mir lieb

Liegst neben mir,
nach letztem Wort.
Du warst mir lieb,
lebst in mir fort.

Warst mir ein Buch,
Sehnsucht und Glück.
In hellen Nächten
kehrst Du zurück.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Bewahrter Brief

Sanft gestrichen,
wie jedes Mal.
Verwischt, verblichen
im Tränental.

Bewahrter Brief,
erlitt’ne Freud‘.
Gedankentief,
vergang’ne Zeit.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Erwacht

Noch schlafend der Morgen,
die Sehnsucht ist wach
und schwebt, nach Dir rufend,
durch ’s dämmrig‘ Gemach.

Die Tränen getrocknet,
ein Lächeln gezeigt,
so geht es dahin
bis der Tag sich verneigt.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Kindes Momente

Grad‘ ein Jahr,
doch viel Vertrauen.
Zeigt der Welt,
schau, ich bin da.

Mutter,
solltest zu ihm schauen.
Die Momente
werden
rar.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

blickt mich an

Im Spiegel blickt mich an,
ein and’rer Untertan,
der Herren
die die Welt regieren,

der wagt,
den Mut hat zu riskieren,
das Widerwort,
das HALTET EIN.

Wünscht‘ mir,
könnt selbst
mein Bildnis sein.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Kleine Augen

Möcht‘ ein Lächeln sehen,
in jeden Kinds Gesicht.
Kann einfach nicht verstehen,
dass es uns oft nicht ficht,

in kleinen Augen Fliegen,
gar Schrecken, Angst und Pein.
Seh‘ dich, sanft schlummernd liegen,
sollst jedes Kind jetzt sein.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Die Küsterin

Anna war Küsterin,
in Dorfes Dom.
Kirchgängerflüsterin,
ich sah sie schon,

von weit her kommend,
am Eingang steh’n,
Ihr Antlitz sonnend,
zum Sterben schön.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Politik

Wär‘ Politik nur Ehrenamt,
wie möchte das wohl sein.
Gar unbezahlter Sachverstand,
die Blender packten ein.

Redenschreiber bräucht‘ man nicht,
kein Ferienhaus im Schilf.
Minister, die kein‘ Sorg‘ je ficht,
uns bleibt wohl nur –
‚Herr, hilf‘.

© Copyright Text Wolfgang Weiland