Alle Zeit der Welt

Sie werden Plastik reduzieren.
Sie werden Glyphosat verbieten.
Sie werden aus der Braunkohle aussteigen.
Sie werden irgendwelche Klimaschutzziele erreichen.
Sie nehmen sich alle Zeit der Welt…

…bis die Welt keine mehr hat.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Ein Vers

Hör‘ Verses Beschwerde,
er sei ungelesen.
Bin doch auch
dabei gewesen.

Muss ihm sagen,
Zeit wiegt zu schwer.
Darf auch nicht schmälern
Frühdichters Ehr‘.

Doch wurdest auch Du
mit Bedacht gewählt.
Vielleicht braucht es Jahre –
doch Du wirst erzählt.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Frühling[01]

Hatt’ schon vor Wochen mal geguckt,
grad’ vom Schnee erst ausgespuckt,
lass ich nun Augenblicke schweifen,

kann mir die Sonnenstrahlen greifen,
mich mit dem Nachbarkrokus freu’n,
das ,Winter,

das soll’s gewesen sein.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Fernes Land

Fernes Land,
darf von Dir lesen,
Dich gar durchstreifen,
beinah Dein Sohn.

Noch nachts im Traume,
wie da gewesen.
Dich zu bereisen?
Kenn‘ Dich doch schon.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Winter[06]

Gehalten hab‘ ich viel zu lang,
auch jetzet wieder, mir war bang,
beim Blick nach unten, konnt‘ nicht los,
geklammert gar, die Kält‘ wird groß.

Geblinzelt feucht, ist wohl der Schnee,
auch dieses Mal tut es noch weh,
ins Rund geschaut, ich bin ja nur
das letzte Blatt auf hoher Flur.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

war nur…

War nur
War nie
War Vater ungelernt
War nur
War nie
War weit entfernt
War nur
War nie
War dunkel hell
War nur
War nie
War schattig grell
War nur
War nie
Zu keiner Zeit
War nur
War nie
Fürs sein bereit
War nur
War nie
Wird sein
Vielleicht

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Ein Gesicht

Ein Gesicht,
nicht wie das Eine,
das mit Abscheu
auf Einschränkung zeigt.

Ein Gesicht,
nicht wie das Seine,
das vor rechtem
Gut sich verneigt.

Ein Gesicht,
so wie das Meine,
das sein Kinn hebt,
und doch ängstlich schweigt?

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Glückseligkeit

Was gäb‘ ich für einen Moment,
in dem Seele und Sehnsucht getrennt.
Wär‘ einmal kurz frei,
ich dächt‘ mir dabei,
dass dies man Glückseligkeit nennt.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Regen[03]

Vereinzelter Tropfen,
der Arme, allein.
Ans Fenster zu klopfen,
gar schön könnt‘ es sein.

Ruft Windböe zu Hilfe,
wird getragen zum Licht.
Ein Menschlein von Drinnen,
schaut ihm ins Gesicht.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Tanka[04]

Die Macht, dem Menschen
greifnah, lässt Ihn zu einem
Ansichselbstdenker
werden, der jene, welche
Fremdscham überkommt, verlacht.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Lesung

Gelesen, gar aufgeführt,
alle Sinne, angerührt.
Dem Zauber erlegen,
wunderwarm, schöne Stimm‘,
stille Poetin,
dir geb‘ ich mich hin.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Meiner Seel‘

Ich denke Gedanken,
aus der Seele mir ranken,
Gefühle die and’re gefühlt.

Anteil und Empfinden,
meinem Herz sich entwinden,
zu früheren Leibern gespült.

So mag schon geles’nes,
doch sein mein gewes’nes,
meine Seel‘ hat auf Deine gezielt.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Manch‘ Blick

Manch Blick kann Ruhe schaffen.
Manch Blick möcht‘ helfend gaffen.
Manch Blick lässt sich erwidern.
Manch Blick verkommt zum Biedern.

Manch Blick vermag zu lachen.
Manch Blick gar Freud‘ zu machen.
Manch Blick von Hass getrieben.
Manch Blick erzählt vom Lieben.

Manch Blick getrübt von Trauer.
Manch Blick erricht‘ die Mauer.
Manch Blick wend’t sich nach innen,
zu seh’n was recht tief drinnen,
in einer Seele ruht.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Baumgefühl

Wurde gefragt,
geht ’s Dir nicht gut?
Antwortete,
zu dick mein Blut.

Hab‘ Durst,
mir sagt mein Baumgefühl,
für Euch,
ist Klima, Spaß und Spiel.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Sein Mädchen

Dies Bild, gebannt auf Zelluloid,
ist alles, was geblieben.
Sein Mädchen, schaut, wie es sich freut,
wird es auf ewig lieben.

© Copyright Text Wolfgang Weiland

Wenn alles gesagt ist…

Schwarzweißfotografie

Wenn alles gesagt ist,
der And’re besiegt,
von endlosen Worten
keine Hülse mehr fliegt,

die Tränen den Rücken
des Liebsten nur seh’n –
Die Scham frisst uns auf –
wir ließen’s gescheh’n.

© Copyright Text und Bild Wolfgang Weiland

Hernach

Bedarf an Liebe,
wohl genug.
Tagesdiebe, Selbstbetrug.

Den Wald gefragt,
was er so denkt,
hernach,
dem Wald sein Herz geschenkt.

© Copyright Text Wolfgang Weiland