Martin

Er breitet die Arme aus. Geht langsam weiter. Ein Schatten zwischen Bäumen. Bald warm und vertraut an der Wange. Den stillen Ruf gehört.

Wieder der kleine Martin. Viele Jahre davor. Ein Pausenhof. Schulschluss. Felix aus der 3. wird abgeholt. Seine Mutter gibt ihm die Leine. Er sieht Martin. Spürt seine Angst, lässt die Leine los. Martin rennt, wie um sein Leben. Die Leine schleift über den Boden. Weiß, er sollte nicht laufen. Doch er kann nicht. Nicht anhalten, nur weiter. An anderen Kindern vorbei. Manche haben Spaß. Ein Ruf  ‘Heb’ doch die Arme, flieg’, und da breitet er zum ersten Mal die Arme aus. Spürt ein unbeschwertes Gewicht auf der Schulter, fühlt ein warmes, weiches Gefieder an der Wange. Ihm ist, als würde er herausgehoben, aus dieser Angst. Fliegt über sie, schaut auf sie hinab, sieht sie kleiner werden, glaubt fest, Mutter wird nicht schimpfen. Die Hose ist nass, wie manchmal nachts…

Als großer Martin immer wieder Wege. Oft einsam, nie allein. Manchmal ist es dann wieder da. Das Gefieder. Die Wärme. Zuflucht. Ein wunderbares Wort. Zu einem Ort, zu jemandem fliehen zu können.
Warmes Wangengefühl…

© copyright all lyrics wolfgang weiland

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