Das Rennrad

Ein alter Herr,
das Rennrad, weiß,
ist auf dem Weg
mit ihm, zum Greis.

Noch gestern fuhr
er mit ihm aus.
Ich seh‘ die Trauer,
Geleit nach Haus‘.

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Ein Weg

Ein Weg ist schwer
ein and’rer leicht.
Ein Weg ist Meer
ein and’rer seicht.

Ein Weg heißt Freud
ein and’rer Leid.
Ein Weg bereut
vertane Zeit.

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Einflussnahme

Reklameminister
mit dem Tornister
liebvoller Worte.

Fabrikeigners Pforte
öffnend sogleich-
ihr Himmelreich.

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War eine Frau

War eine Frau aus der Mitte,
die wusste, es war gute Sitte,
sich wählen zu lassen.
Doch schien ’s ihr zu passen,
zu biedern sich an rechte Dritte.

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Es flog ein Wort

Es flog ein Wort,
mit Bedacht gewählt,
für immer fort.
Doch weit gefehlt.

Es kam zurück
als Nachgeschmack –
return to sender,
oh what fuck.

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Der enttäuschte Vers

Hör‘ Verses Beschwerde,
er sei ungelesen.
Bin doch auch
dabei gewesen.

Muss ihm sagen,
Zeit wiegt zu schwer.
Darf auch nicht schmälern
Frühdichters Ehr‘.

Doch wurdest auch Du
mit Bedacht gewählt.
Vielleicht braucht es Jahre –
doch Du wirst erzählt.

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Draußen sein

Am Teich sitzen,
Libellen über dem Wasser,
tauchen ihre Rüssel ein.
Wasservögel ziehen ihre Bahn.
Draußen sein –
schön so.

Im Wald umhergehen,
immer auf dem Weg,
dennoch frische Wildspuren.
Einen Wolf ahnen,
Wald aufnehmen.
Draußen sein –
schön so.

Leute reden,
finden mich seltsam –
draußen sein…

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Aus Federn

Aus Federn möcht‘ ich fließen,
wär‘ gern geflügelt‘ Wort,
in Seelen mich ergießen
und sein beschützend‘ Hort.

Ach könnt‘ er mich so setzen,
dass ich ein Lichtstrahl bin.
Mit Hoffnung gar benetzend,
ergäb‘ ich einen Sinn.

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vor dem Fenster

Windpark aus dem Zugfenster fotografiert

unterwegsgedicht[01]

Draußen vor dem Fenster
ein Rapsfeld fliegt vorbei.
Drinnen hinterm Fenster,
du und ich, wir zwei.

Im Sommersonnenzug
auf großer Ausflugsfahrt.
Mit dir vergeht die Zeit im Flug,
verhang’ner Himmel, aufgeklart.

Draußen vor dem Fenster
jetzt ein heller Fluss.
Drinnen hinterm Fenster,
du und ich, ein Kuss.

Ein Reim

Ein Reim, bedacht ersonnen,
wollt‘ heute bei mir sein.
Das falsche Ohr erklommen,
jetzt steh‘ ich hier allein.

Ach würd‘ das Ohr doch merken,
’s war nicht der Adressat.
Schickt mir ihn, mich zu stärken,
an einem schwachen Tag.

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Ein kleiner Tropf‘

Ein kleiner Tropf‘ wär‘ ich jetzt gern,
ein Tropf‘ als Teil des Regens.
Ich wär‘ in nah, und auch in fern,
der Retter manchen Lebens.

Ins Feuer würd‘ ich stürzen mich,
ich wäre Floras Held.
Ach könnt‘ ich’s doch nur sein für dich,
in deiner Menschenwelt.

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