20_05_2026

Von hier aus sieht man die Abbruchkante des alten, stillen Steinbruchs visavis. Die, inzwischen wieder grünen, Äste und Zweige der bis vorn stehenden Bäume hängen sich in den Abgrund, als sehnten sie sich. Etwa 500m weiter lässt aufsteigender, heller Staub erahnen, wo Schotter und Kies inzwischen dem Berg abgetrotzt werden. Die Bauernhoffrau kommt des Weges, ihr Hund folgt mit ungewohnt großem Abstand. Ich spreche sie darauf an, und erfahre, dass Max bereits im 16. Lebensjahr ist, doch die Runde mit ihr mag er noch gerne gehen. Hoffe beide noch lange so sehen zu dürfen. Und sonst. Ab und zu ein Gedicht, manchmal solche Notate, es ist nicht ausreichend. Spazierengehend denke ich längere Texte. Spaziere weiter, bis ich sie wieder verwerfe. Habe keinen Raum für mich, in den ich mich zum Schreiben zurückziehen kann. Lese gerade Gertrud Leutenegger, sie schreibt scheints ähnlich wie Robert Seethaler, dessen neues Buch ich in der Stadtbücherei vorgemerkt habe. Sie beobachtet genau, kann das Gesehene dann wunderbar zum Ausdruck bringen. Es ist ein Buch, es sind solche Bücher, die mir etwas geben, mich vielleicht auf einen Weg zum. Mir fällt ein:

Dunkle Wolken gleiten träge,
über Felder, Wiesen, mich.
Dann aufs Mal beeil’n sie sich,
Als ob ’s hernach umsonst was gäbe.

Es wird Zeit, morgen mehr…

© Copyright Text Wolfgang Weiland

4 Antworten auf „20_05_2026“

  1. Ein Text,
    lieber Wolfgang,
    den ich langsam, Wort für Wort, gelesen habe.
    Von solchen Alltagsbegegnungen wie die mit der Bauernhoffrau und ihrem Hund lese ich sehr gern.
    Und Robert Seethalers Bücher gehören mit zu meinen am liebsten gelesenen.
    Einen frohen Maitag wünsche ich dir,
    herzlich Hausfrau Hanna

    1. dankeschön liebe Hausfrau Hanna, ich freue mich sehr, dass du magst was ich schreibe und auch, dass wir Robert Seethaler beide gerne lesen. Liebe Grüße zu dir in die Schweiz

  2. Auch diesen Text zeichnen gute Beobachtung und erzählerisches Können aus.
    Ich habe ihn gerne gelesen, auch den Vierzeiler danach.
    Lieben Gruss, Brigitte

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